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6. Schule unter der Nazi-Diktatur (1933-1940)

Hitler in Pforzheim am 14. September 1933
Das Bild zeigt die Fahrt Hitlers am 14. September 1933 die heutige Fußgängerzone entlang, vom Leopold-Platz kommend. Links vom Bild ist der Marktplatz. Hakenkreuz-Fahnen hingen heraus, die Zeitung sprach von einem "Bild der Begeisterung", von "ungezählten zehntausenden von Menschen, die ihrem Führer zujubelten, immer wieder zuwinkten, sodass der Wagen nur schrittweise sich seinen Weg bahnen konnte". 
Wahlergebnisse
Pforzheim wählte "braun", das war die Farbe der Nationalsozialisten: Bei den Reichstagswahlen am 5. März 1933 bekam die NSDAP in ganz Deutschland 43,9 % der Stimmen, in Pforzheim aber 57,5 %. 
Die Warnungen der Linken, der Nazi - Gegner vor 1933 lautete: "Hitler bedeutet Krieg, Zerstörung und Untergang", doch dazu braucht es in Pforzheim noch 12 Jahre. 

Auf dem Stadtplan aus der Nazi-Zeit heißt die Osterfeld - Schule "Hindenburg - Schule", benannt nach dem Reichspräsident, der Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannt hatte. Die Nordstadtschule wurde zur Adolf - Hitler - Schule, die Brötzinger Schule zur Goebbels-Schule, der Turnplatz wurde zum "Platz der SA". 
Schulstempel
Diese Stempel zeigt das Zeichen der "neuen Zeit", der Zeit der Unfreiheit, er stammt von der Brötzinger Schule. In jedem Klassenzimmer hing ein Hitler - Bild oder eine Hakenkreuzfahne. Fahnenappelle im Hof zu allen möglichen Anlässen wie dem Geburtstag Hitlers und der "Hitlergruß" zu Beginn und Ende jeder Unterrichtstunde wurden verpflichtend. 
In Biologie wurde die Eiche als "Sinnbild deutscher Kraft" vorgestellt, Walnuß, Kastanie und Weinstock dagegen als "Fremdling auf deutschem Boden". Die "Rassenlehre" sollte die angebliche Überlegenheit der "arischen Rasse" beweisen. Sport wurde zur vormilitärischen Ertüchtigung, Mädchen sollten "Hausfrau und Mutter" werden und Kanonenfutter für den Krieg produzieren.

Das Badische Ministerium für Kultus und Unterricht unter Nazi-Herrschaft wies für die Fächer Deutsch und Geschichte an: "Grundsätzlich kann der Unterricht in diesen Fächern nur von Lehrern erteilt werden, die Gewähr dafür bieten, daß er im Geist des neuen Deutschland gegeben wird". 
Pius Zehr
Die Lehrkräfte am Osterfeld waren entweder schon auf Nazi-Linie oder hielten den Mund, niemand wurde strafversetzt oder entlassen. Am Hilda-Gymnasium z.B. bekamen die Lehrer Geiger und Ascher Berufsverbot, der eine, weil er Sozialdemokrat war, der andere, weil er zur jüdischen Gemeinde gehörte.

Ans Osterfeld kam ein neuer Lehrer, der frühere Rektor der Brötzinger Schule, Pius Zehr. Er wurde von den Nazis als "politisch unzuverlässig" beurteilt, zum einfachen Lehrer herabgestuft und strafversetzt.
Mädchen aus der Ghettoschule
Diese Mädchen gehören zu den Kindern, die aufgrund der Nazi-Rassengesetze 1935 nicht mehr die staatlichen Schulen besuchen durften. Deswegen erhielten ab 1936 ungefähr 60 Kinder und Jugendliche Unterricht in den ersten Zimmern rechts vom Haupteingang, wo heute die Computer stehen. Dieses Schul-Getto, auch "Judenschule" genannt, schrumpfte durch Auswanderung bzw. Flucht auf 22 Kinder, als 1938 die Schule geschlossen wurde und jüdische Kinder überhaupt keine Schule mehr besuchen durften.

Die meisten Kindern konnten noch rechtzeitig mit ihren Eltern fliehen bzw. auswandern, 15 wurden verschleppt ins Lager Gurs in Südfrankreich, ins Konzentrationslager Theresienstadt, ins KZ Riga und ins Vernichtungslager Auschwitz. Fünf Kinder unserer Schule wurden ermordet, zwei davon in Auschwitz.

Frau Hedwig David, bis 1930 am Hilda-Gymnasium, kam im Oktober 1936 über Freiburg und Mannheim ans Osterfeld. Sie unterrichtete hier zusammen mit Frau Halberstadt die Kinder der "jüdischen Schulabteilung", wie das verharmlosend hieß. Herrn Hermann Marx, der Kantor und Sekretär der jüdischen Gemeinde, gab den Kindern Religionsunterricht. 
Lehrer Marx
Lehrer Marx konnte nach Palästina fliehen, Frau Halberstadt in die USA. Frau David wurde am 20.10.1940 in das Lager Gurs und im August 1942 ins Vernichtungslager Auschwitz verschleppt und dort umgebracht.